1. Immer wieder höre ich: Da ist jetzt aber endgültig eine Grenze erreicht!

In diversen Facebook-Gruppen, in Gesprächen unter Eltern, auf dem Spielplatz, in der Schule – immer wieder begegnet mir die Aussage, das da aber jetzt auch wirklich mal Schluss ist. Irgendwann ist es genug und das Kind braucht dann eben an der Stelle wirklich mal eine Grenze. Begründet wird genau das auch oft damit, dass da ja auch die eigenen Bedürfnisse zählen, und neulich wurde ich gefragt und wann bist du dann bitte Leitwolf?

Ich glaube, dass mich die Frage danach, ab wann ich meinem Kind jetzt aber doch endgültig jetzt mal eine Grenze setzen muss, nicht weiter bringt, sie belastet die Beziehung zu meinem Kind ungemein und trennt uns vielmehr, als das sie unsere Beziehung stärkt und vertieft.

2. Ich höre schon die Einwände: Was wenn das Kind aber die Wände mit einem Stift bemalt, das Geschwisterkind haut, sich schreiend auf den Boden wirft?

Ich glaube, dass dieser Ruf nach Grenzen vor allem dann laut wird, wenn es körperlich wird, wenn Eigentum beschädigt wird oder aber es schlicht peinlich wird, weil sich das Kind nicht gesellschaftskonform in der Öffentlichkeit verhält. Da wird es eben auch besonders unangenehm für das begleitende Elternteil. Was also bedeutet denn diese Forderung nach Grenzen ganz konkret? Heißt das nicht letztlich, dass ich schimpfe, dass ich mit Aufforderungen reagiere, das entsprechende Verhalten nun endgütlig zu unterlassen („Schluss jetzt“, „Hör auf“) und keinen Schritt mehr von meinem Standpunkt abweiche – eben eine Grenze ziehe. Das Ding ist: Grenzen gibt es meiner Meinung nach zwischen Ländern, zwischen zwei Menschen? Noch dazu, zwei Menschen, die sich näher nicht stehen könnten? Wo der eine naturgemäß vollkommen existentiell vom anderen abhängig ist und seine psychische und physische Gesundheit vom anderen abhängt? Puh, da sehe ich diesem Grenzen setzen gemäß Kontaktabbruch, die Verbindung zwischen beiden wird gekappt und ich verstehe das als Verantwortungsabgabe.

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3. Dein Kind braucht deine Präsenz, deine Fürsorge, deine Verantwortungsübernahme – keine Grenzen

Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir als große Menschen rundum verantwortlich sind für die kleinen Menschen. Die wiederum haben es noch nicht gelernt, sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen, sie wissen noch nicht um Strategien, die sie wählen können und keinem anderen schaden, um sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Sie wissen noch nicht was gesellschaftlich anerkannt ist und was nicht. Sie können es schlicht noch nicht wissen. Gleichzeitig sind sie aber unglaublich kompetent. Intuitiv wissen bereits Säuglinge um ihre Bedürfnisse, geben sie lautstark kund, in dem sie schreien. Machen auf sich aufmerksam, darauf, dass sie Hunger und Durst haben, dass sie Schmerzen haben, aber auch darauf, dass sie in den Arm genommen werden wollen, dass sie Geborgenheit und Wärme brauchen, dass sie gesehen werden wollen. Und sie sind existentiell darauf angewiesen, dass wir uns um sie kümmern, dass wir ihnen unsere Fürsorge zu teil werden lassen, dass wir für sie da sind und sie bedingungslos annehmen und lieben, sie mit dem versorgen, was sie brauchen. Das gilt auch dann, wenn sie größer werden. Das gilt auch dann, wenn sie sich nicht so verhalten, wie wir das gut heißen.

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4. Setz auf Verbindung statt auf Grenzen

Wenn Kinder also hauen, treten, beißen, kratzen oder Wände anmalen, dann vertrau deinem Kind zunächst einmal. Gerade, wenn es das nicht zum ersten Mal macht, dann weiß es, dass du sein Verhalten nicht gut heißt. Dann sei da, hör zu, schau hin. Und vor allem habe Vertrauen: Wenn dein Kind gerade anders handeln könnte, würde es das tun.

Werde also neugierig. Und verbinde dich mit deinem Kind. Frag dein Kind, ob du es in den Arm nehmen kannst, sag ihm, dass du da bist, dass du ihm das geben willst, was es gerade benötigt. Vielleicht kann es auch sagen, was es glaubt gerade zu brauchen. Sag ihm, dass du seine Not, seine Verzweiflung siehst. Schau hinter das Verhalten deines Kindes und sieh die Bedürfnisse, die unbefriedigt sind und dazu führen, dass dein Kind sich verhält, wie es das gerade tut. Worum geht es wirklich? Und dann – insofern dein Kind in diesem Moment in der Lage dazu ist, gegebenenfalls eben erst später – sprich mit deinem Kind, zeig ihm andere Strategien auf, die es nutzen kann, um sich seine Bedürfnisse zu erfüllen, rede mit ihm, zeige Alternativen auf. Du musst das Verhalten deines Kindes nicht geil finden. Nein. Aber du bist verantwortlich dafür, friedvolle Lösungen mit deinem Kind zu finden, eure Beziehung zu stärken anstatt sie zu belasten und deinem Kind zu vertrauen. Echtes Lernen braucht Zeit, braucht einen sicheren Rahmen, braucht Beziehung. Dein Kind wird sich anders verhalten, sobald es dann gelernt hat. Eben weil es sich in Gesellschaft einbringen will, weil es kooperativ sein will, weil ihm an einem sozialen Miteinander gelegen ist.

Genau das schafft Verbindung, Vertrauen, friedvolles Miteinander. All das, was bei einer Grenzsetzung zwischen deinem Kind und dir so nicht gelingen würde.

Du wünschst dir genau hierbei Begleitung? Dann schreib mich an unter: info@familiengeflecht.de oder informiere dich hier über die Möglichkeiten eines 1:1 Coachings.

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Written by Verena

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