Das Drama beim Zähne putzen

Das morgendliche Dilemma. Du willst, dass sich dein Kind die Zähne putzt. Dein Kind will es nicht. Hier habt ihr einen Konflikt und hier ist die Frage, ob du das, was für dich vermeintlich wichtig ist, größer ist als das, was wirklich zählt. Hier beginnt in so vielen Familien das morgendliche Drama. Und leider wird hier in noch viel zu vielen Familien die Integrität kleiner Menschen verletzt.

Ich glaube, dass Eltern hier davon ausgehen, dass sie ihrer elterlichen Verantwortung eben im Zweifelsfall nur dann nachkommen können, wenn sie gleichzeitig in diesem Fall übergriffig in die Intimsphäre ihres Kindes eingreifen. In diesem Fall wird sogar etwas IN einen Menschen eingeführt.
Sehr übergriffig, sehr gewaltvoll, sehr grenzüberschreitend, wenn das GEGEN den Willen eines Menschen geschieht. Unabhängig vom Alter dieses Menschen.

Und genau an diesem Punkt gehen meiner Meinung nach noch viel zu viele Eltern zu unachtsam mit ihrer elterlichen Macht um. Das schreibe ich nicht, weil ich Schuld und Scham erzeugen möchte.

Nein.

Aber mein Anliegen ist es für die Macht, die uns als Eltern obliegt und die damit einhergehende Verantwortung zu sensiblisieren. Anstatt Machtmissbrauch zu betreiben, wäre es dringend an der Zeit auf Dialog und echte tiefe Verbindung zu setzen.

Die physische Gesundheit deines Kindes ist wichtig – die psychische ist es ebenso!⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Ja, die physische Gesundheit deines Kindes ist wichtig. Ganz ohne Frage. Und ja, nach allem, was ich gelernt habe, nach allem, was ich über Welt glaube, halte ich Zähne putzen auch für ungemein wichtig. Das möchte ich nicht negieren und hier gehe ich mit dir mit, wenn du sagst, mir ist das Zähne putzen ungemein wichtig. Ich lege auch Wert darauf, dass die Zähne meiner Kinder regelmäßig und gründlich geputzt werden. Und ich nachputzen kann.

Allerdings: Nach allem was ich weiß, und für wahr halte, nach allem was ich glaube, halte ich aber mindestens genau so das Selbstbestimmungsrecht von Menschen und die Beachtung dessen für mindestens genau so unglaublich wichtig. Und an dieser Stelle geht es ganz klar, um die psychische Gesundheit eines kleinen Menschen. Diese will ich nicht aufs Spiel setzen und hier geschieht ein erheblicher Übergriff in die Intimsphäre eines kleinen Menschen. Oftmals immer und immer wieder. Das Fundament für Entwicklungstraumata.

Das gewaltsame Eindringen in den Mundes eines kleinen Menschen ist Körperverletzung

Für mich ist es Körperverletzung, wenn ich kleinen Menschen gegen ihren Willen die Zähne putze. Die Frage, ob dieser Aspekt darunter gehört, würde sich bei Erwachsenen gar nicht erst stellen. Natürlich würde man mir raten, meinen Mann zu verlassen, wenn ich erzählen würde, dass der mich packt, mich gegen meinen Willen festhält und mir gegen meinen Willen meine Zähne putzt. Kinder werden flächendeckend gesamtgesellschaftlich noch nicht als das angesehen, was sie sind: Kleine Menschen.


Für mich ist es also eine Frage von Haltung, eine Frage der Anerkennung von MenschSein, wenn ich mein Kind ernst nehme, seine Gefühle nicht negiere, es wahrnehme, sehe, annehme und achte. Und mir dieser Initimität beim Zähneputzen bewusst werde.

Was können also friedvolle Lösungen sein, um beim Thema Zähne putzen „unden“ zu können?

Meiner Erfahrung nach gibt es so unglaublich viele friedvolle Wege, um zu guten, friedvollen, verbindenden Lösungen bei diesem Thema zu gelangen. Denn das Nein deines Kindes heißt nicht, dass ich die Verantwortung abgebe nach dem Motto: „Mach halt was du willst!“ Nein. Das heißt es ganz und gar nicht. Ich trage die Verantwortung dafür, dass ich meinem Kind das Selbstbestimmungsrecht lasse, ich trage die Verantwortung dafür, dass ich die bestehenden Faktoren abwäge und eine Entscheidung treffe. Und ich glaube, dass es an mir ist friedvolle Lösungen für dieses Thema zu finden.
Nachfolgend stelle ich euch nun fünf Ideen vor. Weitere Ideen findet ihr übrigens in meiner Alltagscheckliste, in der ich dir insgesamt 50 verschieden Lösungsideen zu unterschiedlichen alltäglichen Herausforderungen mit an die Hand gebe. Du kannst sie dir hier herunterladen.

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50 friedvolle Lösungsideen für herausfordernde Situationen im Alltag mit deinen Kindern - vom Windel wechseln, übers Anziehen hin zu Zähne putzen und Übergänge gestalten

1. Zu unterschiedlichen Uhrzeiten Zähne putzen

Überlege dir, ob das Zähne putzen gerade jetzt sein muss? Vielleicht könnt ihr die Zähne einfach am Mittag, Nachmittag, Abend putzen? Je nach dem, wie das für dein Kind möglich ist.

2. Zähne putzen mit dem Zahnputzsong

Es gibt eine Reihe unglaublich witziger (und zugegeben teilweise auch wirklich dämlicher) Zahnputzsongs auf Youtube. Schau dich um, du wirst dort sicherlich viele entdecken. In meiner Checkliste (die du hier herunterladen kannst) habe ich dir eine Reihe von Zahnputzsongs zusammengetragen.

3. Zähne putzen im Rollenspiel

Hier helfen mitunter Kuscheltiere, Puppen, Einhörner und dergleichen mehr dabei, meinen Kindern die Zähne zu putzen. Was ist es bei euch? Probiert es aus.

Ein anderes witziges Spiel ist es übrigens kleine imaginäre Zahnteufelchen zu fangen. Ich erzähle meinen Kindern, was diese gerade auf ihren Zähnen machen: Schaukeln, Rutschen, Springen, Tanzen, und dergleichen mehr und erzähle ihnen, das ich die gerade fange. Das finden meine Kinder unglaublich witzig.

4. Zähne putzen in unterschiedlichen Positionen

Ich habe meinen Kindern schon im Auto, im Kindersitz sitzend, auf dem Tisch stehend, im Bett und unterwegs die Zähne geputzt, eben da wo es gerade möglich war und wenn ich natürlich vorab dran gedacht hatte, die Zahnbürste einzupacken. Wobei sich ja auch eine in Reserve in der Handtasche (vorausgesetzt ihr besitzt so was) mit nehmen ließe.

5. Gemeinsam Zähne putzen

Das mögen meine Kinder sehr. Wenn sie merken, dass es mir selbst natürlich auch ungemein wichtig ist, meine Zähne zu putzen, dann lassen sie sich hierauf sehr gerne ein und wir putzen unsere Zähne gemeinsam.

Was hilft bei euch?
Erzählt, teilt es mit anderen und hinterlasst eine Nachricht in den Kommentaren.

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Written by Verena

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