Es gibt nicht DEN einen richtigen Weg…

Ich glaube, dass diese Phase jede Mama oder jeder Papa kennt. Das Kind möchte sich partout nicht mehr wickeln lassen.

Erst mal vorn weg: Es gibt nicht DIE eine richtige Lösung, es gibt nicht DEN einen richtigen Weg. Es gibt DEINEN Weg. Und dein Weg darf holprig sein, der darf vollkommen unperfekt perfekt sein, das ist okay.

Ich möchte dir hiermit einfach Handlungsoptionen aufzeigen, die für dich vielleicht nützlich sein könnten, die dir helfen könnten, dich so zu verhalten, dass sie zu dir und deinen Werten passen. Und du suchst dir einfach das raus, was für dich und deine Familie passt.

Bei einer vollen Windel, wenn dein Kind sich nicht wickeln lassen möchte, hast du erst einmal einen Konflikt. Und zwar einen Konflikt zwischen deiner elterlichen Pflicht, dein Kind eben nicht zu lange in einer vollen Windeln zu belassen. Und der Autonomie deines Kindes, dem Recht deines Kindes, dass es selbstbestimmt über seinen Körper entscheiden darf. Du besitzt diese Vorausschau. Du weißt, dass dein Kind womöglich einen wunden Po bekommen könnte, wenn es zu lange in der Windel steckt. Dein Kind weiß es nicht. Und du trägst für diese Gesamtsituation mit allen Faktoren, die du abwägst, die Verantwortung.

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50 friedvolle Lösungsideen für herausfordernde Situationen im Alltag mit deinen Kindern - vom Windel wechseln, übers Anziehen hin zu Zähne putzen und Übergänge gestalten
Wie kann dir genau das also gelingen?

Beginne bei dir, schau dir an, worum es dir geht.

Findest du (und das braucht schonungslose Ehrlichkeit), dass nur DU zu entscheiden hast, wann gewickelt wird? Geht es dir also letztlich um Gehorsam? Hegst du die Gedanken, dass dein Kind hier gar nicht das Recht hat zu sagen, nein, ich will nicht gewickelt werden.

Und by the way, ich denke oft im Jahr 2020 gibt es das so gar nicht mehr (ich lebe auch sehr in einer unerzogen Blase), aber in der Schule ist es selbstverständlich, dass das Kind nicht nein zu sagen hat und, dass es bockt und trotzt, wenn es das tut. Geht es dir darum, dass eben DU den Zeitpunkt festlegen willst und mit der Haltung da ran gehst, wie viel Zeit du deinem Kind gibst, ist doch letztlich scheiß egal? Ist es dieser Glaubenssatz: Was muss, das muss halt.

Sei da unendlich liebevoll, unendlich empathisch, unglaublich aufrichtig und ehrlich dir selbst gegenüber. Und fange da an, wo es womöglich am meisten weh tut. Du trägst diesen Ballast nicht mit dir rum, weil du scheiße bist. Du trägst ihn mit dir rum, weil du ein zutiefst verletztes inneres Kind in dir trägst.

Ich glaube übrigens nicht, dass es scheiß egal ist, wie viel Zeit wir unseren Kindern einberaumen

Es ist nicht egal, wie viel Raum es für sein SoSein erhält. Die Art und Weise, wie etwas an uns und unsere Kinder herangetragen wird, wie viel Autonomie wir im Rahmen der Möglichkeiten erhalten, ist nicht scheiß egal. Sie spielt eine maßgebliche Rolle.

Und schließlich: Dein Kind kooperiert deshalb, weil es dir zutiefst vertraut.

Beim Windel wechseln ist es darüber hinaus so, dass kleine Menschen nicht unbedingt verstehen, warum sie gerade gewickelt werden sollen. Sprich die vorausschauende Sichtweise, warum wir wickeln wollen, obliegt uns.

Dein Kind lässt sich nicht wickeln, weil es die Erfahrung gemacht hat, hey, wenn ich mich nicht wickeln lasse, dann werde ich wund. Natürlich muss meine Mama oder mein Papa das jetzt gerade machen. Es ist nichts, was das Kind einsehen, verstehen oder nachvollziehen kann oder müsste. Es ist nicht sein Job, es dir leicht zu machen und zu sagen:

„Ja natürlich liebe Mama, lieber Papa. Ihr habt natürlich vollkommen Recht und ich verstehe, dass ihr mich jetzt natürlich wickeln müsst und ich stelle mich gerade einfach nur an.“.

Dein Kind kann dafür keine Verantwortung übernehmen. Das Kind lässt sich nur wickeln, weil es kooperiert, weil es dir vertraut, weil es dich liebt. Weil es dir gefallen möchte.

Hier nun also meine Tipps, meine Lösungsideen, wie du es deinem Kind leichter machen kannst:

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1. Lass die Windel weg

Es gibt immer mehr Kinder, die von Baby an „windelfrei“ aufwachsen. Hier lernen Eltern schon früh die Zeichen ihrer Kinder zu verstehen und bereits ganz frisch geborene Babys geben diese Zeichen, wenn sie mal müssen. Das ist also durchaus eine wunderbare Möglichkeit, um Druck aus der Situation zu nehmen und generell Kinder weniger zu wickeln. Später ist dann das verstärkte „Nicht mehr wickeln wollen“ auch mitunter ein Zeichen dafür, dass Kinder bereit sind, trocken zu werden. Letztlich kannst du dein Kind auch nackig rum laufen lassen. Mit dem Nackigsein fällt auf jeden Fall auch das Windelwechseln weg.

2. Mache Quatsch

Was habe ich mit meiner Tochter gemeinsam Quatsch gemacht beim Windeln wechseln. Ich habe ihr mit einem Strohhalm in den Bauchnabel gepustet, wunderbar dämliche Spiele gespielt, Guckguck gespielt, und dergleichen mehr. Ich habe damit den Fokus weg von der Sache hin zum Miteinander und zur Verbindung gelegt.

3. Windel wechseln an verschiedenen Orten

Wo habe ich schon überall gewickelt – auf dem Trampolin, im Kofferraum, beim Paw Patrol schauen, beim Playmobil spielen, mitten auf der Wiese. So oft es geht versuche ich zu vermeiden, meine Kinder aus der Tätigkeit heraus zu reißen, der sie gerade nachgehen. Einfach weil genau das schon vorab eine riesige Kooperationsleistung wäre, bei der ich dann nicht als nächstes erwarten würde, dass sie sich danach auch noch wickeln lassen. Ich glaube, dass wir hier sehr achtsam dafür werden dürfen, wie viel Kinder sich einbringen, kooperieren, wie viel sie tun, einfach um uns zu gefallen, weil sie uns vertrauen, nicht weil sie verstehen, warum sie tun, was sie tun.

Darüber hinaus wickeln wir in allen möglichen Positionen, im Stehen, im Liegen und ich habe damals meine Töchter auch wenn ich keine andere Lösung gefunden habe, beim Krabbeln gewickelt.

4. Lasse jemand an deren wickeln

Wenn es bei dir nicht gelingen will – frage deinen Partner, die Oma, den Opa oder denjenigen, der eben gerade noch da ist. Manches Mal hilft es ungemein die Person zu wickeln und vor allem dem Kind diese Auswahlmöglichkeit zu geben. Schaffe so viel Autonomie wie irgendmöglich.

5. Zeit lassen

Nein, es ist nicht scheiß egal, ob du die Windel jetzt gerade wechselst, wo das Kind gerade nicht kooperieren kann oder sie in 10 Minuten wechselst und deinem Kind Zeit lässt. Es macht einen Unterschied. Auch hier gehe auf dein Kind ein, sehe dein Kind, lass ihm Raum zum SoSein. Und nimm Druck raus.

6. Kinder sich erkunden zu lassen

Viele Kinder erkunden unglaublich gerne ihren Körper. Gib deinem Kind genau diese Möglichkeit beim Wickeln. Was für eine Chance, wenn es erfährt, dass Windel wechseln, gleichzeitig mit etwas angenehmen verbunden ist. Vielleicht ist das genau der Weg für dein Kind und dich.

7. Windel wechseln im Rollenspiel

Hier haben neben Mama, Papa, Oma und Opa auch schon der Esel, der Teddybär oder der Kuschelhase die Windel gewechselt. Verknüpf mit dem Wickeln ein Rollenspiel und verschiebe auch hier somit den Fokus vom Windel wechseln hin zu etwas, das gemeinsam Freude macht sowie Miteinander und Verbindung schafft.

8. Wickeln nicht als Machtkampf verstehen

Ich glaube – egal um welchen Eingriff in die körperliche Integrität deines Kindes es sich handelt, sei ehrlich, ehrlich zu dir selbst und ehrlich deinem Kind gegenüber: In Eltern-Kind-Beziehungen liegt die gesamte Macht bei den Eltern. Von einem Machtkampf zwischen Eltern und Kindern auszugehen, ist schlichtweg absolut fies und gemein. Wenn du entscheidest, dass die Windel deines Kindes gewechselt wird und du das Selbstbestimmungsrecht deines Kindes nicht berücksichtigen willst, oder eben doch berücksichtigen willst, aber letztlich dennoch die Entscheidung genau dagegen triffst, weil es gerade das Beste ist, was du kannst, dann hat dein Kind keine Wahl. Du trägst als großer Mensch die komplette Verantwortung für dein Kind. Das heißt nicht, dass du Schuld bist, mir geht es nicht um Schuld. Nie. Aber es heißt, dass die Macht immer bei dir liegt, und damit ist unglaublich viel Verantwortung verbunden. Es heißt auch, dass du es bist, der die Entscheidung trifft und dazu stehen sollte. Fang an im Miteinander zu denken, fang an dein Kind und dich als Team zu verstehen und nicht als gegensätzliche Pole, die um Macht ringen. Dein Kind vertraut dir, dein Kind liebt dich, dein Kind ist lange Zeit voll und ganz existentell von dir abhängig – physisch wie psychsich. Übernimm du die Verantwortung für dein Kind und deine Entscheidungen. Und fang an hinzusehen, worum es beim Nicht-wickeln-Wollen wirklich geht. Da gibt es übrigens ganz unterschiedliche Gründe für. Für meine Tochter war das Wickeln an sich gar nicht das Ding, aber sie kam nicht darauf klar, dass ihr Popo feucht abgewischt wurde. Also sind wir hier umgestiegen darauf, dass sie in der Badewanne sauber gemacht wurde.

Was ist es bei euch? Worum geht es deinem Kind und worum geht es dir? Schau ganz ehrlich hin.

9. Mantras für dich: Es ist nur eine Phase

Durchaaatttmmmennnn, entspannen, Selbstfürsorge betreiben, Mantras vor sich hin faseln. Ja, mein Ernst. Versuche erst einmal selbst für dich den Druck raus zu nehmen. Versuche erst einmal dich selbst mit dem zu versorgen, was du brauchst. Und danach entscheide dich. So gut es eben geht. Mantras, die mir helfen sind: „Es ist nur eine Phase“ und „Mein Alltag ist ihre Kindheit“.

Abschließend möchte ich dir mit auf den Weg geben, dass es nicht DIE eine perfekte Lösung gibt. Nie. Es ist immer wieder ein Abwägen, immer wieder ein inneres Ausrichten, immer wieder ein „den eigenen Nordstern anpeilen“ und dann darauf aufbauend eine Entscheidung treffen, die du – wie auch immer sie ausfällt – verantwortest und, die auch entgegengesetzt deiner Werte stehen kann. Wichtig ist, dass du in der Situation noch mal durchatmest, dich fragst, ist das jetzt wirklich, wirklich, wirklich das Beste, was ich gerade hinkriege, will ich diese Entscheidung so treffen, wie ich sie gerade treffe. Und wenn es das Beste ist, was du gerade hinkriegst, dann ist es okay. Wirklich. Frag dich eben aus welchen Gründen, du genau diese Entscheidung jetzt so triffst. Und wenn du für dich entscheidest, dass es das Beste ist, was du gerade tun kannst, dann frag dich hinterher noch einmal, warum du dich so entschieden hast, wie du es getan hast und wie du das nächste Mal vielleicht dein Handeln mehr nach deinen Werten ausrichten kannst.

Das ist okay, wirklich. Lasst uns den Perfektionismus über Bord schmeißen.

Ebenso, wie die Vorstellung, dass kleine Menschen großen Menschen gehorchen müssten und es besonders nett ist, ihnen ihr Selbstbestimmungsrecht zu lassen. Ist es nicht. Es ist Menschenrecht.

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Written by Verena

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