Boah. Es nervt. Ehrlich.

Können meine Kinder nicht einfach mal friedvoll miteinander umgehen. So wie man das halt macht? Müssen die sich schon wieder an den Haaren ziehen, raufen, das T-Shirt festhalten, geht es nicht auch einfach mal einfach?

Mich haben Geschwisterkonflikte ja echt lange extrem genervt. Wirklich. Ich fand meine ältere Tochter provoziert mich, die Jüngere ist immer das Opfer und überhaupt ständig und immer muss ich eingreifen. Ätzend. Wirklich. Nervig.

Geht dir auch so? Verstehe ich. Absolut.

Ich habe mir die Rama-Familie gewünscht.

Ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als das meine Kinder ins friedvolle Interagieren miteinander kommen, sie in Verbindung sind und alles schön und idyllisch ist. Die Rama-Familie eben. So war und ist es aber nicht. Ganz und gar nicht. Meine Kinder schubsen und hauen sich. All das. Und ich mitten drin. Ich weiß um meine Verantwortung. Ich weiß, dass es an mir ist, meine Kinder zu begleiten. Ja sie sind noch miniklein. Aber trotzdem…

Und genau an diesem Punkt setzte ich an. Ich glaube heute, dass es extrem schmerzhaft ist sich am außen zu orientieren, dass es uns nicht weiter bringt. Ich glaube, dass wir nicht mit uns in Verbindung sind, wenn wir uns genau das wünschen. Und just in dem Moment wo wir uns friedvolles Miteinander wünschen, dies aber nicht vorhanden ist, kämpfen wir gegen das Hier und Jetzt an. Und das nervt. Das stört. Das ist lästig und das verursacht, dass wir inmitten unserer streitenden Kinder nicht in unserer Mitte sind. Damit gehen wir zum friedvollen FamilienLEBEN einen riesigen Umweg, wir könnten auch die Abkürzung nehmen.

Wir können Hier und Jetzt inmitten unserer Kinder in uns ruhen.

Ich glaube, dass wenn es uns gelingt bei uns zu bleiben, vollumfänglich, dass wir dann bereits in uns ruhen können, dass wir die Gedanken, die uns stressen ala kann es nicht anders sein, müssen die sich ständig streiten, geht es nicht auch friedvoll, über Bord schmeißen können. Und genau dann kommen wir in tiefe Verbindung mit uns selbst. Dann bleiben wir bei uns, können Hier und Jetzt unsere Kinder begleiten und sehen wie sie wirklich sind. Dann belasten uns nicht Gedanken wie… habe ich das eine Kinder vielleicht lieber als das andere, was werden die für Themen mitnehmen, was bedeutet das für ihre Zukunft, was bedeutet das fürs Erwachsenenalter und dergleichen. Ne. Genau dann werden wir wirklich handlungsfähig.

Aber warum streiten Geschwister denn überhaupt?

Es gibt verschiedene Gründe, warum sich unsere Kinder streiten. Und einige mag ich kurz darstellen.

a) Geschwister streiten, um gesehen zu werden

Ja. Es ist völlig klar, dass sich kleine Kinder um die Aufmerksamkeit der Eltern streiten. Es ist ein Schrei danach gesehen werden zu wollen, Liebe und Zuwendung seitens der Eltern zu brauchen.

Unsere Kinder streiten nun einmal. Sie probieren sich aus, sie lernen, sie interagieren miteinander und sie buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Das ist absolut verständlich. Unsere Kinder sind existentiell von der Verbindung mit uns abhängig. Sie brauchen uns so, so dringend. Umso jünger sie sind desto vollumfänglicher ist das der Fall. Es hängt also auch maßgeblich von unserem Verhalten ab, wie Geschwisterkonflikte ausarten, sich darstellen und verlaufen. Bevorzugen wie ein Geschwisterkind? Stellen wir Vergleiche an? Wie verhalten wir uns, oft auch unbewusst?

b) Wenn Menschen aufeinanderstoßen, gibt es Streit und unseren Kindern fehlt es oftmals noch an Konfliktlösemöglichkeiten

Ja. Wenn du zum Schwimmbad möchtest, dein Mann aber auf dem Sofa sitzen bleiben möchte und ihr eigentlich das Wochenende gemeinsam verbringen wolltet, dann habt ihr einen Streit. Wenn kleine Menschen viel Zeit miteinander verbringen (was bei Geschwistern oftmals der Fall ist) und miteinander in Verbindung stehen, dann kommt es zu Streit. Unweigerlich. Und da ist es an dir diesen Streit zwischen deinen Kindern zu begleiten. Es obliegt dir, diese Verantwortung zu übernehmen, deine Kinder zu sehen und für sie da zu sein. Solange sie das brauchen. Oftmals gelingt es deinen Kindern noch nicht sich adäquat auszudrücken. Das ist ja selbst für Erwachsene unglaublich schwer. Also gib du ihnen Worte, hilf ihnen, sich und die Welt einzuordnen und zu verstehen. Sie sind so unglaublich abhängig davon und brauchen es so sehr.

Geschwisterstreit ist normal und unabdingbar.

 

Geschwisterstreit ist unglaublich wichtig. Deine Kinder sammeln Lernerfahrungen, entwickeln sich, entdecken Konfliktlösemöglichkeiten und entfalten diese. Das ist ein Geschenk. Und genau das gilt es zu begleiten und zu gestalten. Hier kommst du ins Spiel. Genau das ist unsere Verantwortung. Als Mama. Als Papa. Und hier fühlen wir wieder unsere Wichtigkeit, die Bedeutsamkeit von uns selbst. Ohne uns geht es nicht.

Und nur dann wenn wir in tiefer Verbindung mit uns selbst stehen, gelingt es uns auch ruhig und gelassen so für unsere Kinder da zu sein, wie sie es brauchen. Ich finde es im übrigen schrecklich und rate dringenst davon ab, dass jeweilige Geschwisterkind, das mutmaßlich (deiner Interpretation nach) mit dem Streit begonnen hat, zu strafen. Genau das halte ich für Machtmissbrauch und hat nichts mit einem verantwortlichen Umgang mit und für kleine/n Menschen zu tun. Wenn dein Kind nach Aufmerksamkeit, Gesehen werden, Verbindung schreit und quasi mit den Armen wedelt, dann schenke ihm genau das, was dein Kind so unglaublich, so so dringend braucht. Und zwar voll im Vertrauen darauf, dass dein Kind lernen wird, dass dein Kind sich anders verhalten würde, wenn es könnte und, dass es das allerallerallerBeste tut, was es kann. Ebenso wie du und ich.

 

Was also kannst du ganz konkret tun?

a) Frage dich WARUM es zu dem Konflikt gekommen ist?

Frage dich, worum es deinem Kind geht, was steckt hinter dem Verhalten? Warum verhält sich dein Kind so, wie es das gerade tut? Verhalten zielt immer auf Bedürfniserfüllung. Also frage dich, auf welches unerfüllte Bedürfnis dein Kind dich gerade aufmerksam macht und nimm dankbar an, dass dein Kind dich auf genau das hinweist, was es gerade benötigt? Auf diese Weise bist du in der Lage dein Kind genau mit dem zu versorgen.

 

b) Ich begleite meine Kinder

Meine Kinder sind 2 und 4. Meine 4 jährige ist sehr körperlich. Nein. Ich lehne mich nicht entspannt zurück, schlürfe meinen Kaffee und warte bis die beiden das unter sich ausgemacht haben. Das ist laissez-faire und genau das meine ich auf keinen Fall. Ne. Schau hin, sieh dein Kind, begleite es. Ich zum Beispiel nehme meine 4 jährige in den Arm, wenn sie gerade ihre kleine Schwester geschubst hat, sage ihr, dass ich sie lieb habe, dass ich sie sehe, dass sie nicht kämpfen braucht, und ich für sie da bin. Genau das tue ich allerdings nicht mit der Haltung, dass sie daraufhin mit dem Verhalten aufhört. Nein. Mir geht es darum, sie wirklich zu sehen, in Verbindung mit ihr zu kommen und für sie vollumfänglich da zu sein. Meine jüngere Tochter begleite ich indes, fange sie wenn nötig auf, und versuche so oft es geht proaktiv zu reagieren.

 

c. Ich werde mir meiner eigenen Rolle, Themen, meines Päckchens bewusst

Ich reflektiere mich und werde mir bewusst, inwiefern ich die Thematik mit meinem Verhalten noch befeuere. Hier schaue ich genau hin, wo ich gebraucht werde und wie meine Begleitung aussehen kann. Ich vergleiche und bewerte meine Kinder nicht. Und gleichzeitig schaue ich mir meine eigenen Geschwisterthemen an. Ich überprüfe, was genau mich triggert, wann ich aus der Verbindung mit mir falle und wie genau ich da wieder hinein komme. Und letztlich halte ich es für unabdingbar sich zu fragen, worum es einem geht? Geht es um Schuld und Beschämung? Wenn ja, wem bringt das was? Wer hat dadurch etwas gewonnen? Oder geht es nicht vielmehr darum, unerfüllte Bedürfnisse zu entdecken, unsere Kinder zu sehen wie sie wirklich sind und ihnen zur Seite zu stehen, so lange sie das eben brauchen.

 

d) Trösten, begleiten, Lösungen finden

Daraus besteht so quasi mein gesamter Tagesablauf. Ich tröste meine Kinder, ich begleite sie sehr eng, ich suche immer wieder nach Lösungen, biete Alternativen, mache Angeboten, bringe meine Ideen ein und bin dabei ergebnisoffen. Ich bemühe mich aus ganzem Herzen darum, nicht wertend an die Situation heran zu treten, meinen Kindern immer wieder mit Offenheit und Neugierde zu begegnen und ihnen das mit auf den Weg zu geben, was sie für sich brauchen.

 

Wir selbst sind in unserer Kindheit oftmals bestraft worden, meist ging es um Schuld und Scham und ein wirkliches Repoirtoire an Konfliktlösemöglichkeiten konnten wir uns nicht erarbeiten. Das fällt uns jetzt natürlich auf die Füße. Und ja das triggert, das schmerzt und da braucht es Aufarbeitung. Absolut verständlich. Und so oft hilft da Begleitung, Empathie und auch Selbstfürsorge. Je nach dem, was wir gerade brauchen und was uns gut tut.

Dich nerven Geschwisterstreitigkeiten sehr? Es fällt dir so, so schwer diese ruhig zu begleiten?

Ich vestehe es! Gerade dieses Bild der so idyllischen Rama-Familie hat uns so sehr geprägt und es triggert uns folglich extrem!

Wenn du dir hier Begleitung wünschst, schreibe mir an info@familiengeflecht.de um ein unverbindliches Kennlerngespräch zu vereinbaren oder lies hier mehr über mein Coachingangebot: www.famliengeflecht.de/meineangebote

Written by Verena

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