1. Wir können Kinder friedvoll zu nichts machen

Ich bin wirklich erschrocken. Die Vorstellung von Erziehung, der Glaube daran, die Glaubenssätze, die durch Erziehung transportiert werden, sind grausam und halten sich hartnäckig.

Da ist die Vorstellung davon, dass wir Kinder zu irgendetwas machen könnten – hilfsbereit zum Beispiel. Oder auch dankbar und ein Klassiker: selbstständig.

Ich glaube inzwischen, dass insbesondere letztere Vorstellung zu unglaublich viel emotionaler Vernachlässigung führt, zu Verantwortungsabgabe und dazu, dass sie verobjektiviert werden.

So weit verbreitet exisitiert tatsächlich noch die Vorstellung, dass wir unsere Kinder zu B machen können, wenn wir A oben rein geben. Diese Vorstellung ist Gift pur für Verbindung, sie macht unsere Kinder zu Objekten, wir hören auf sie als Menschen wahr zu nehmen und zu achten.

Und genau das ist eben auch nicht wahr, wir können Menschen nicht friedvoll zu irgendetwas machen. Erziehung funktioniert nicht.

2. Möglicherweise führt das tatsächlich zu einer Art Selbstständigkeit wenn wir unseren Kindern nicht helfen – es macht aber auch einsam.

Ja, tatsächlich. Ich habe es im Unterricht in der Schule immer wieder erlebt, auf dem Spielplatz, beim einkaufen. Da brauchen Kinder Hilfe und Eltern verweigern diese. Im Vorbereitungsdienst wurde mir dies ziemlich konsequent ausgeredet. Da wurde mir mit auf den Weg gegeben, dass – helfe ich dem Kind – es lernt, dass es sich ausruhen kann und nichts mehr tun braucht.

Wirklich – ich finde es übergriffig, wenn wir kleinen Menschen helfen, wenn sie die Hilfe ablehnen! Das finde ich indes auch bei großen Menschen nicht weniger problematisch.

Aber diese Vorstellung, Kinder würden sich faul ausruhen, wenn ihnen geholfen wird, sie würden es sich bequem machen, sich nur noch bedienen lassen, die finde ich gemein.

Ja, vielleicht ist dem so – vielleicht werden Kinder schneller „selbstständig“, wenn wir an ihnen ziehen, sie zu selbstständigen kleinen Personen machen wollen und ihnen genau deshalb unsere Hilfe verweigern. Nur gleichermaßen einsam werden sie. Sie lernen schnell, dass auf ihren sicheren Hafen, auf ihre Mama kein Verlass ist, dass sie sie nicht um Hilfe bitten brauchen, dass sie keine bekommen werden, weil sie auf sich allein gestellt sind. Das möchte ich für mich und die Beziehung zu meinen Kindern nicht.

 

3. Sind wir wirklich bereit diesen Preis in der Beziehung zu unseren Kindern zu zahlen?

Ich frage mich das wirklich. Wollen wir das? Wollen wir das in Bezug auf unsere Kinder, auf unsere Schüler? Ist es nicht unendlich viel wert, wenn unsere Kinder erfahren dürfen, dass sie zu Hause zuverlässig Hilfe und Unterstützung erfahren, wenn sie diese erfahren? Ist es nicht unglaublich bereichernd für Schüler, wenn sie erfahren, mein Lehrer begleitet mich dabei mir das Wissen der Welt anzueignen? Mein Lehrer sieht mich und unterstützt mich zuverlässig, wenn ich Hilfe brauche, anstatt dem Glaubensatz nachzuhängen, dass unsere Schüler nur auf der faulen Haut liegen, wenn sie erfahren, dass sie zuverlässige Bezugspersonen an ihrer Seite haben? Wollen wir diesen Preis für eine künstlich erzeugte Selbstständigkeit denn wirklich zahlen?

 

4. Unsere Kinder müssen glauben – was wir über sie denken

Unsere Kinder sind existentiell von uns abhängig. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als das zu übernehmen, was wir in ihnen glauben zu sehen. Und unsere Vorstellung über sie nehmen sie als innere Stimme mit ins Erwachsenenalter. Was wollen wir da unseren Kindern mit auf den Weg geben? (Über Macht in Eltern-Kind-Beziehungen habe ich auch hier geschrieben: Über die Bedeutung von Macht in der Beziehung zu meinen Kindern)

Ich habe lange Zeit gedacht, wenn ich mich auf die Couch gelegt habe, puh, bin ich faul. Also ich werde nie wirklich selbstständig, ich ruhe mich auf den anderen aus. Ich war alles andere als mit mir in tiefer Verbundenheit und im Frieden. Und so habe ich das geglaubt, was mir meine Eltern und Lehrer jahrelang mit auf den Weg gegeben haben.

4. Die Alternative wäre wir kommen ins Vertrauen – und das fängt in der Verbundenheit mit uns selbst an

Ich glaube, dass der Weg aus diesen Glaubenssätzen heraus und aus dieser Idee von Erziehung zur Selbstständigkeit ein schmerzvoller ist. Er erfordert von uns, dass wir uns unseren Schmerz ansehen, dass wir da reinfühlen, wo dieses MindSet her kommt. Und es braucht unendlich viel Selbstfürsorge, Selbstempathie und Selbstannahme. Erziehung sitzt so unglaublich tief. Und auch diese Glaubenssätze machen so unendlich viel mit uns.

Es ist ein Weg raus aus dieser Angst rein ins Vertrauen zu kommen, dass sich unsere Kinder zu wundervollen Erwachsenen entwickeln werden, dass wir nicht an ihnen ziehen müssen, sondern sie annehmen und begleiten dürfen, genau so wie sind. Und das wir ihnen ohne Angst helfen können, wenn sie genau das brauchen.

Und genau das braucht Platz, Raum und Zeit. Das ist okay. Wichtig ist, dass wir uns auf den Weg machen.

Du willst ENDLICH raus aus der Erziehungsfalle? Ich begleite dich auf deinem Weg in die friedvolle Elternschaft!
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Ich freue mich aus ganzem Herzen auf dich!

Written by Verena

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