Mein Kind ist kein Endgegner

Ich wurde die letzten Tage immer mal wieder gefragt, wie ich das denn machen würde. Dieses „sowohl ich als auch mein Kind“ – Denken und wie das gelingen könnte, weg davon zu kommen im „entweder oder“ zu denken. Entweder meine Bedürfnisse werden erfüllt oder die meines Kindes.

Und ich glaube, dass der wichtigste Schritt in die Denkweise des Undens der ist, dass wir aufhören unsere Kinder als Endgegner wahr zu nehmen sondern viel mehr sie und uns als Teamplayer verstehen. Ich glaube, dass viele Eltern unglaublich bemüht sind, die Bedürfnisse ihres Kindes zu sehen und erfüllen zu wollen. Und dabei dann auf Dauer über ihre eigenen Grenzen gehen. Das ist der Punkt, wo bedürfnisorientierte Elternschaft oft zu kippen droht und dann plötzlich doch all das begonnen wird aufzuzählen, wo sich das Kind eben doch nicht sonderlich „sozial“ verfällt. Obwohl man doch eben bis dato alles für das Kind gegeben hat, es getragen, gestillt, familiengebettet und einschlafbegleitet hat.

Wieso also verhält es sich trotz allem so „frech“? Die leise flüstertende Stimme nach Grenzen wird allmählich lauter. Und ich beobachte, dass das oftmals mit zunehmendem Alter der Kinder geschieht. Da haut das 4 jährige Kind plötzlich mit Absicht. Vorher hatten wir ja oft noch Verständnis dafür, aber mit 4? Da sollte es doch langsam begriffen haben, dass das nicht geht und dann mit dieser Absicht. Ich glaube, dass das der Moment ist, in dem interessant wird, ob ich mich mit den Themen Verantwortung, Selbstfürsorge, Selbstannahme und eben auch dem Unden wirklich in seiner Tiefe auseinander gesetzt habe, oder letztlich zwar „nett“ (insofern Erziehung überhaupt als „nett“ beschrieben werden kann), aber eben doch erzogen habe.

Was mache ich, wenn ich aufhöre Grenzen zu setzen

Wie kann es also gelingen, wenn ich aufhöre in „entweder du oder ich“ zu denken. Was geschieht dann, wenn ich aufhöre, zu verbieten und selbst zu bestimmen, weil es mir wichtig ist, meine Macht nicht mehr zu missbrauchen? (Über Macht in ElternKindBeziehungen habe ich hier geschrieben) Und wie komme ich dann ins „sowohl … alsauch“ Denken.

Wie oben schon angedeutet ist der erste Schritt, mein Kind als Teamplayer zu verstehen. Nichts von dem was es tut, tut es gegen mich, sondern für sich. Mein Kind und ich stehen auf einer Seite. Es liebt mich – seine Mama – heiß und innig und nichts, rein gar nichts kann diese Liebe schmälern. Dein Kind ist psychisch und physisch zum Zeitpunkt seiner Geburt vollkommen abhängig von dir und möchte dir alles andere als schaden. Es möchte zutiefst, dass es dir – seiner Mama – gut geht. Nichts anderes hast du für deine Eltern gewollt. Diesen Gedanken wirklich in seiner Tiefe zuzulassen, hat wiederum viel mit bedingungsloser Selbstannahme zu tun.

Nun. Dein Kind tut also nichts gegen sich, sondern es versucht etwas für sich zu tun. Und deine Aufgabe als Mama ist es nun herauszufinden, worum es deinem Kind geht. Jegliches Verhalten zielt immer auf Bedürfnisbefriedigung hin ab. Jedes Verhalten hat einen Sinn. Wenn dein Kind dich also beißt, haut, kratzt, dann schau hin.

Welches Bedürfnis deines Kindes ist unerfüllt, was braucht dein Kind? Begleite es und zeige ihm Alternativen auf, wie es sich sein Bedürfnis befriedigen kann. Das heißt nicht, dass es sie sofort umsetzen und anwenden kann. Lernen braucht stets viel Zeit und Geduld. Bring diese für dein Kind auf, begleite es immer und immer wieder. Es wird lernen wollen seine Bedürfnisse so befriedigen zu wollen, dass es dabei die Grenzen anderer Menschen berücksichtigt. Vertrau du deinem Kind.

 

Und wie funktioniert nun dieses Unden?

Nun sind da also deine Bedürfnisse und die deines Kindes. Und die prallen aufeinander und sind alles andere als immer identisch. Die laufen mitunter sogar extrem konträr. Da möchte dein Kind auf den Spielplatz und du möchtest lieber auf dem Sofa sitzen bleiben möchtest und ungern noch mal mit auf den Spielplatz kommen. Unden ist in so einem Fall oftmals eine völlige Alternative. Es geht nicht um einen Kompromiss, bei dem beide Seiten ein Stück weit von dem Abrücken müssen, was sie eigentlich wollen und jeder ein Stück weit von dem eigentlich Gewollten abrutscht.

Unden bedeutet, dass du als großer Mensch, die Bedürfnisse deines Kindes in den Blick nimmst und die deinigen. Worum geht es deinem Kind wenn es auf den Spielplatz möchte?

Geht es ihm um Bewegung, also darum auf der Rutsche oder dem Klettergerüst zu turnen, geht um den Spaß an sich, will es dir dort irgendetwas bestimmtes zeigen, geht es darum, dass es in seinen Interessen gesehen werden möchte? Oder will es dort vielleicht mit anderen Kindern spielen, geht es um Verbindung zu anderen?

Und dir? Worum geht es dir? Geht es dir darum, dass du lieber entspannt liegen bleiben möchtest? Geht es dir um Ruhe und Erholung? Oder möchtest du gerade ein spannendes Buch auf dem Sofa lesen? Geht es dir um Unterhaltung und Begeisterung? Oder ist es die Internetverbindung, die vom Sofa einfach echt besser ist als vom Spielplatz 😉 und es geht dir selbst um Verbindung mit anderen? Was genau steckt bei dir dahinter?

Und dann können die Lösungen für den Konflikt mit deinem Kind absolut vielfältig sein. Wenn es deinem Kind um Bewegung geht, reicht es vielleicht schon, wenn es eine Matratze auf den Boden gelegt bekommt und es darauf hüpfen kann, während du auf dem Sofa liegen bleiben kannst. Wenn es dir um Erholung geht, könnt ihr vielleicht eine Decke mitnehmen und du kannst dich auf dem Spielplatz in den Schatten legen und dösen, oder ihr macht eben was vollkommen anderes, was beide Bedürfnisse abdeckt. Das es das tut, erkennst du im übrigen echt schnell, dein Kind kann altersgemäß sowieso kaum Kompromisse eingehen und von seinen Bedürfnissen ein Stück abknapsen, wenn dein Kind und du also hinterher beide mit der Lösung zufrieden seid, habt ihr erfolgreich „geundet“.

 

Unden gelingt nicht immer

Nein – das gelingt nicht immer. Und muss es auch nicht. Wichtig ist meines Erachtens, dass du erkennst, dass du hier als großer Mensch in der Verantwortung bist friedvolle Lösungen zu suchen. Und Verantwortung ohne Schuld denkst.

Und das mindeste, was wir immer machen können, auch wenn es nicht gelingt zu unden, ist, dass wir unsere Kinder sehen, ihre Gefühle begleiten und ihre Trauer und ihren Frust ernst nehmen und beides sein darf, wenn es eben mal nicht gelungen ist, erfolgreich gemeinsame Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten zufrieden stellend ist.

Ich wünsche dir, erfolgreiches Denken „outside the box“

Und wenn du Lust auf gemeinsames brainstormen und Lösungsfindungen hast, dann komm zu uns in die FacebookGruppe „AufdemWegzumMamasein“. Ich freue mich von Herzen auf dich.

 

Weiterführende Literatur zum Thema:

Familienleicht (Lena Busch): Unden als Weg zur Konfliktlösung

Patchwork – Auf Augenhöhe: Unden – was ist eigentlich „unden“?

 

Du hast Lust deine individuellen Lösungen zu finden? DIE, die für DICH und dein KIND passen? 
Es fällt dir mitunter noch schwer, outside the box zu denken?
Ich biete dir an, dich auf deinem individuellen Weg der Lösungsfindung zu begleiten.

Schreibe mich heute noch an und vereinbare dein individuelles Kennlerngespräch mit mir: info@familiengeflecht.de

Written by Verena

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