Du kennst das. Du hast zum x-ten Mal gesagt, dass dein Kind verdammt noch mal dieses oder jenes unterlassen soll und es jetzt endlich EIN EINZIGES MAL tut soll, was du sagst. Und überhaupt so schwer kann das doch gar nicht sein, immer gibt es Theater. Man, man, man…

Mir begegnet es in diversen Facebook Gruppen immer mal wieder. Ich lese verzweifelte Mamas, die jetzt endlich auch mal auf ihre Kosten kommen wollen und denen die Freude über ihr Kind zu gunsten der Vorstellung, dass das eigene Kind einfach nie tut, was ihm gesagt wird, verlorgen geht. Frust und Wust machen sich breit. Es kann doch einfach auch mal hören.

Ich möchte diesen Anlass nutzen, um dir aus vollem Herzen zu gratulieren.
Wirklich. Ganz aufrichtig. Mein voller Ernst.

DU bist Mama eines kleinen Menschen, der seine eigenen klaren Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse hat. Und DU hast du einmalige Chance, dein Kind kennen zu lernen! Wirklich… wie geil ist das denn bitte, mit deinem Kind WIRKLICH, ganz AUTHENTISCH, ECHT mit seinem ganzen Sein in Beziehung zu kommen. Glaub mir, am Ende des Lebens zählt nicht, was du besessen hast, welches geile Auto du gefahren bist, in welchem Palast du gelebt hast, am Ende des Lebens zählt die Qualität der Beziehungen, die wir erleben durften.

Und ich feiere dich für diese Chance. Für dieses Möglichkeit des inneren Wachstums, die dir dein Kind da an die Hand gibt. Ganz aufrichtig. Du hast HIER und JETZT die Gelegenheit Verantwortung für die Beziehungsqualität zu deinem Kind in die Hand zu nehmen, Beziehung aktiv zu gestalten, zu wachsen und dich auszutauschen.

Dein Kind steht für sich ein und verhält sich nicht gemäß deiner Vorstellungen eines Prototypen von Mensch. GENIAL! Dein Kind zeigt sich dir, mit allem was es aumacht. Mit seinen Ideen, Wünschen und Vorstellungen.

Du bist dabei einen wahren Schatz zu entdecken. Du bist dabei mit deinem Kind in Kontakt zu kommen und all das kennenzulernen, was dein Kind ausmacht. Und du hast Hier und Jetzt die Chance dein Menschenbild in Frage zu stellen, dich selbst kennen zu lernen und dich deinem Kind gegenüber zu zeigen. Um so schließlich in ein gegenseitiges Vertrauen zu kommen. Fantastisch! NUTZ ES!

Aus diesen 3 Gründen steckt wahnsinniges Potential dahinter, dass dein Kind einfach nicht hört. Und ich wünsche dir von Herzen, dass es dir gelingt meinen Enthusiasmus und meine Begeisterung nach zu fühlen und du beginnst diese riesige Chance für dich und dein Leben zu nutzen.

1. Dein Kind weiß was es will und steht zu sich.

2. Dein Kind gibt seine Integrität zugunsten von Gehorsam nicht auf.

3. Dein Kind hält dir einen Spiegel vor und bietet dir Möglichkeiten zu wachsen.

1. Dein Kind weiß was will und steht zu sich

Wirklich. Wie viele Erwachsene gibt es, die nicht mehr wissen, was sie wollen? Die Begleitung in welcher Form auch immer in Anspruch nehmen, um sich auf die spannende Reise zu sich selbst zu machen. Dein Kind ist noch durch und durch mit sich selbst verbunden. Es weiß nichts von gesellschaftlichen Konventionen und von einem man, der dieses oder jenes nicht tut und von einem müssen, dass sich für manchen Erwachsenen als Lebenslüge entpuppt. Nein, du musst gar nichts. Du kannst dich hier und jetzt entscheiden, es deinem Kind gleich zu tun und Glaubenssätze und Vorstellungen davon wie etwas laufen muss über Bord zu schmeißen. Du kannst Hier und Jetzt damit beginnen, dich nicht mehr Erwartungen von außen zu beugen, sondern du selbst zu sein und zu dir zu stehen.

Nein, damit rufe ich dich nicht auf, die Bedürfnisse deines Kindes zu übergehen. Du bist für dein Kind verantwortlich. Aber du kannst dich ausdrücken, du kannst in Worte fassen, worum dir gelegen ist. Du kannst für deine Vorstellungen, Wünsche und Ideen einstehen, ohne dich durch zu setzen, und dann kannst du in VERBindung mit deinem Kind gelangen. Werde kreativ, sieh den Menschen in deinem Kind und komme in die Lösungsfindung, wie deine Bedürfnisse UND die deines Kindes erfüllt werden. Genau das ist Beziehung.

2. Dein Kind gibt seine Integrität zugunsten von Gehorsam nicht auf

Ja, WAS wenn nicht das, ist ein Grund zu feiern? Integrität wird verstanden als „die Vereinbarkeit persönlicher Wertvorstellungen mit eigenen Denk- und Handlungsmustern?“ (Sauer 2019) und weiter „ein integrer Mensch ist sich vollständig bewusst, dass er seine eigenen Maßstäbe, Wertvorstellungen und Überzeugungen nicht nur denkt, sondern auch lebt. Somit ist ein integres Leben geprägt durch Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Dazu zählt, sich (vor sich selbst und vor anderen) nicht zu verstellen oder etwas anderen vorzuspielen.“ (Sauer 2019) Dein Kind gibt sich selbst nicht auf zugunsten von dem, was du vermeintlich von außen von ihm erwartest.

Dein Kind räumt nicht unter Zwang sein Zimmer auf, bringt seinen Teller nicht unter Zwang in die Spielmaschine, sagt nicht zwanghaft Guten Tag und Auf Wiedersehen, Bitte und Danke? Dann schließe es in die Arme und schätze dich glücklich.

„Es ist unwürdig und kränkend, wenn man auf Kommando gehorchen soll, wo man doch nur zu gern kooperieren will.“ (Mathias Voelchert)

Das, worum es hier geht, ist nichts weniger als die Menschenwürde deines Kindes. Lass nicht zu, dass dein Kind seine Würde zugunsten davon aufgibt, dass es deine Liebe, deine Wertschätzung und deine Zuwendung nur dann erhält, wenn dein Kind aufhört, es selbst zu sein.

Jetzt höre ich schon die ersten Gegenargumente, ala: Dann lässt du dein Kind also kommentarlos andere Kinder hauen, weil es das gerade tun will. Kurz: Nein!

Ich lasse das nicht zu. Ich gehe allerdings auch nicht davon aus, dass mein Kind das tun WILL, sondern weil es selbst in Not ist und entsprechend seiner Hirnreife und dem, was ihm gerade möglich ist, das Beste ist, was es gerade tun kann. Und dann übernehme ich Verantwortung. Für mich. Für mein Kind. Und für unsere Beziehung.

Ich begleite mein Kind, sehe es und zeige ihm Handlungsalternativen auf. Im Zweifelsfall übe ich schützende Gewalt aus, in dem ich mich dazwischen stelle, wenn mein Kind kurz davor ist, ein anderes zu hauen. Und ich strafe mein Kind nicht, ich schimpfe es nicht, ich entziehe ihm nicht meine Liebe, weil genau das meine Liebe zu meinem Kind an Bedingungen knüpft. Und ich damit die Verantwortung meinem Kind gebe, die es schlichtweg nicht trägt und nicht tragen kann.

3. Dein Kind hält dir einen Spiegel vor und bietet dir die Möglichkeit zu wachsen

Worum geht es dir selbst im Leben? Was sind deine eigenen Werte? Und lebst du sie schon, oder denkst du sie nur? Was siehst du in deinem Kind? Was für ein Menschenbild trägst du in dir?

Eigentlich kannst du den Moment, in dem dein Kind „nicht tut, was es soll“ voll innerer Dankbarkeit annehmen und dich von ganzem Herzen freuen. Denn gerade dieser Moment ist es, der dich zielsicher zu deinem eigenen inneren Schmerz führt, zu dir selbst und zur Selbstreflexion deiner inneren Werte und Haltung. KANN wohl gemerkt – es liegt an dir, ob du dieses Geschenk annimmst und für dich nutzt. Worum geht es dir, wenn du möchtest, dass dein Kind einfach mal tut, was es soll? Ist das nicht reiner blinder Gehorsam? Und ist es DAS, was du für dein Kind willst? Really? Ich glaube kaum.

Wenn du nicht mit Gewalt bewirken möchtest (und in meinen Augen ist Erpressung, Bedrohung, Bestechung etc. Gewalt – ob nun an kleinen oder großen Menschen verübt), dass dein Kind jetzt einfach auch verdammt noch mal hört und tut, was es soll, dann hast du nur die eine Chance:

Nimm dich selbst in den Arm, schau nach dir und überlege dir, WORUM es dir gerade wirklich geht, wenn dein Kind nicht danke sagt? Um Angst vor Abwertung von außen? Um „die anderen“, die sich da fragen, was das für ein schlecht erzogenes Kind ist, vor Kritik, Ablehnung und dergleichen?

Was ist es genau? Welches DEINER Bedürfnisse soll das befriedigt werden, in dem dein Kind tun soll, was DU von ihm erwartest? Nimm das ernst. Wirklich. Du machst das nicht, weil du scheiße bist. Du bist wichtig und du darfst da hinfühlen, worum es dir WIRKLICH geht. Und auf diese Weise kannst du dann in die Selbstverantwortung kommen und für dich sorgen.

An dieser Stelle möchte ich dir gern ein konkretes anderes Beispiel aufzeigen.

Ich glaube, es macht deutlich, worum es mir geht.

Wenn du Bock drauf hast, bei deiner ganz individuellen Lösungsfindung begleitet zu werden, dann schreib mir.

Nun, zum Beispiel:

Du möchtest gern mit der gesamten Familie am Tisch essen. Dein Kind hat ganz andere Vorstellungen. Dein Kind möchte spielen, malen, basteln und dabei gerne essen und das am liebsten auf dem Fußboden. Auf deine Bitte hin sich mit zu euch an den Tisch zu setzen, reagiert es nicht. Es tut einfach nicht, was es soll.

Jetzt wird es moralisch.

Willst du, dass dein Kind sich gegen seinen eigenen Willen mit an den Tisch setzt? Dann kannst du es nur dazu zwingen. In sämtlichen Erziehungsratgebern wirst du zahlreiche Methoden dafür mit an die Hand bekommen. Aber völlig egal, wie subtil die Methode ist, sie wird nicht weniger gewaltvoll sein. Und ich rate dir hiervon dringend ab. Mein Rat an dich ist ein anderer: Schau nach dir.

Welches Bedürfnis ist es, dass du dir damit erfüllen möchtest, dass ihr gemeinsam am Tisch esst? Geht es dir um Wertschätzung? Möchtest du, dass dein von dir gekochtes Essen von den anderen für „gut“ empfunden wird? Beziehst du daher deine Anerkennung? Ich verstehe völlig, dass dir daran gelegen ist, dir dieses Bedürfnis zu erfüllen, ist es doch grundlegend menschlicher Natur. Nur brauchst du dafür nicht das Außen. Du selbst kann dir dieses Bedürfnis erfüllen, du selbst kannst dir Anerkennung und Wertschätzung schenken, oder aber du kochst für andere Menschen, die dir diese Anerkennung gerne schenken WOLLEN.

By the way: Wenn es dir wirklich darum geht, dann ist es für dich auch vielleicht völlig okay, dass das Essen nicht gemeinsam am Tisch stattfindet? Oder geht es dir um Verbindung? Um das GEMEINSAME?

Auch hier: Nimm dich ernst. Dein Bedürfnis ist wichtig. Du brauchst auch hier dein Kind nicht zu zwingen mit euch am Tisch zu sitzen. Wie gelingt es dir hier dein Bedürfnis selbst zu erfüllen? Vielleicht im Austausch mit deinem Kind? Dann frag es, ob du dich zu ihm setzen kannst, ob ihr gemeinsam spielen, malen, basteln wollt? Vielleicht hilft es dir auch Gäste einzuladen, wenn dir die Bedürfnisserfüllung im gemeinsamen Gespräch besser gelingt? Es sind zwei Möglichkeiten von unendlich vielen. Lerne dich selbst kennen. Was tut dir gut, was hilft dir?

Ich höre schon den ein oder anderen sagen, wie bitte? Da lach ich doch drüber. DAS lasse ich mir nicht gefallen.

Ich glaube, dass hier tiefer innerer Schmerz begraben liegt. Ich verstehe wie es dazu kommt. Und ich kann auch nachvollziehen, wenn es zu viel ist, um sich diesen Schmerz anschauen. Manches im Leben braucht seine Zeit. Und gleichzeitig glaube ich, dass hier unendlich viel Heilungspotential liegt.

Dein Kind ist kein Tyrann, der will, dass es dir schlecht geht. Dein Kind liebt dich aus ganzem Herzen, es ist vollkommen – psychisch wie physisch- von dir abhängig. Und DU warst auch in längst vergangenen Tagen dieses Kind. Sieh nicht weg. Und missbrauche deine Macht nicht.

Du kannst Hier und Jetzt Verantwortung für dich, dein Kind und eure Beziehung übernehmen.
Dein Kind kann es nicht.

Schreibe mir, wenn du dir hierbei Begleitung wünschst, melde dich für meinen Newsletter an oder komm in meine Facebook Gruppe »Auf dem Weg zum Mama Sein.«

Ich freue mich von ganzem Herzen auf DICH.

Weiterführende Literatur zum Thema:

Dein Kind will nicht hören? Glückwunsch! 5 Alternativen zum Gehorsam

»Wider den Gehorsam« von Arno Gruen

Written by Verena

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