Über die Vorbereitung vor der Geburt

Vor der Geburt dachte ich, das sei doch alles ein Kinderspiel: Ich suchte Checklisten, was ich an Ausstattung, etc. für das Baby brauchte, da war zum Beispiel die Checkliste »DAS braucht dein Baby wirklich: DIE ultimative Checkliste für werdende Eltern« oder auch »Die 14 BESTEN Anschaffungen für DEIN Baby! SEI VORBEREITET!«. Ich hatte meine genauen Vorstellungen wie das funktionieren sollte mit Baby und wie ich mit meinen TO-Do und Checklisten mich auf das Unvorstellbare, bestens vorbereitet wusste:

Man nehme ein bisschen Checkliste hier, ein Portion Geburtsvorbereitungskurs da, noch eine Prise Säuglingspflegekurs, rühre das ganze um, verfeinere es noch mit einem Stillvorbereitungskurs und voila… fertig ist das RundumSorglosPaket für die Zeit mit Baby. Grandioses Rezept, top Köchin, da kann nichts schief gehen.

Meine Vorbereitung hatte nach der Geburt ausgedient

Sie war nicht überflüssig. Nein. Ich rate dir nicht auf Vorbereitung zu verzichten. Ich glaube, dass jede werdende Mama alles an Vorbereitung in Anspruch nehmen sollte, was sie für sich braucht und ihr hilft.  Nur traf da bei mir die Realität traf auf meine zugebenermaßen völlig atemberaubende Imaginationskraft. Und ich glaube, dass es wichtig ist zum Zeitpunkt der Geburt dann zu überwinden, um sich auf den kleinen Menschen einlassen zu können, der da von dir geboren wurde.

Und so wurde für mich so manche Anschaffung überflüssig. Da war zum Beispiel das Babybett. Ehrlich?  … Meine Tochter und das Babybett konnten ganz hervorragend …so gar nicht miteinander. Meine Tochter verhielt sich einfach, wie sich ein Baby eben so verhält. Und machte lautstark deutlich, dass sie es vorzug bei Mama und Papa zu schlafen. Und nicht einfach nur nebendran, sondern am besten einfach oben drauf.

Dann war da der Stillvorbereitungskurs. Wirklich. Ich saß da beim Kurs fürs Stillen und dachte ööööhhhhmmmmm okay, lass mal rechnen. Die Hebamme sagt, dein Kind wird 6 bis 8 mal Tag gestillt werden wollen. Das macht also 24 Stunden am Tag, sprich alle 3 bis 4 Stunden stille ich mein Kind. Und klar, als Mama habe ich da ja auch natürlich mit Einfluss drauf. Logo. Ich stille mein Kind also alle 4 Stunden. Das ist ja entspannt. Vor allem nachts… [Gelächter aus dem off]

Beim Geburtsvorbereitungskurs saß ich da und dachte beim Thema Baby und Schreien. Klar *augenroll* Das Thema mag ja interessant sein, für Mamas, die ihr Kind nicht im Griff haben. Aber für mich? Aber hallo… Ich war doch bestens vorbereitet. Ich hatte den Stillkurs, den Säuglingspflegekurs mitgemacht, meine Checklisten abgearbeitet. Liebe Hebamme, ich bitte dich, ICH bin vorbereitet. Bei mir würde es das nicht geben – solche »unvorhergesehenen Pannen«.

Über Vorstellungen über das Kind – und wie einer tiefen Beziehung zu unseren Kindern im Weg stehen können

Eieiei… die Zeit nach der Geburt war schmerzhaft. Meine Wachstumsmöglichkeiten riesig, mein Entwicklungspotential definitiv gegeben. Ich glaube inzwischen immer da, wo der Schmerz besonders groß ist, haben wir die Chance zu wachsen.

Mein Kind dachte jedenfalls anders. Anders übers Stillen, übers Babybett und über den Kinderwagen als ich. Es synchronisierte einfach so gar nicht mit den von mir gegoogelten Checklisten, es passte sich auch nicht an die im Biologiebuch der Hebamme stehenden 3 bis 4 Stunden Zeit zwischen den Mahlzeiten an und holla die Waldfee… es schrie… und wie es schrie.

Ich glaube heute, ich stand früher wie heute oft vor Weggabelungen. Momente in denen ich meinen inneren Kompass gemäß meiner Werte wieder neu ausgerichtet habe. Das wird wohl nie abbrechen. Das macht es für mich aus für mich selbst und mein Leben Verantwortung zu übernehmen. Ich hätte auf meinen Checklisten beharren können, die Infos aus den Vorbereitungskursen gnadenlos umsetzen können, ungeachtet von dem, dass ich da mit einem Lebewesen, einem kleinen Menschen agiere, der seine eigenen Bedürfnisse hat. Und ungeachtet dessen, dass es in meiner Verantwortung als Erwachsene liegt, die Bedürfnisse dieses kleinen Menschen und eben auch die meinigen zu erfüllen.

Aber die Erkenntnis, was all das bedeutet brauchte Zeit, es brauchte Heilung und Wachstum. Ich habe so manches Mal sehr gegensätzlich zu meinen inneren Werten gehandelt, mein Kind eben mal schnell gewickelt, auch wenn es geweint hat, weil was muss das muss halt, ich habe es gegen seinen Willen gewaschen und Dinge getan, die es definitiv nicht wollte, weil ich dachte, dass es eben keinen anderen Weg gibt. In den Momenten habe ich quasi eine innere Checkliste abgearbeitet, von der ich glaube, dass das jetzt eben dran ist.

Genau das glaube ich inzwischen ermöglicht keine Verbindung, verobjektiviert mein Gegenüber und beendet radikal jede Beziehung.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es dir gelingt, in Kontakt mit deinem Kind zu kommen, seine Bedürfnisse und deine zu sehen und sie nach Möglichkeit zu erfüllen. Deine inneren Vorstellungen von einem Leben mit Baby dürfen sein und helfen ganz sicher auch der ein oder anderen werdenden Mama, ihre je individuelle Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Und gleichzeitig wünsche ich dir, sie nach der Geburt zu Gunsten einer tiefen, innigen und erfüllenden Beziehung zu deinem Baby über Bord zu schmeißen. Und dein Kind so zu sehen wie es ist.

Written by Verena

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