Du Liebe.

Du bist wütend. Traurig. Frustriert. Genervt. Müde. Dein Kind tut nicht, was es soll. Und überhaupt nimmt keiner auf dich Rücksicht. Es reicht für heute. In dir kommen Gedanken hoch, die da laut schreien: Es ist ein Tyrann. Ich hab es gleich gesagt, du ziehst dir einen Schmarotzer heran. Dein Kind tanzt dir auf der Nase herum. WAS Zum GEIER SOLL DAS? Immer das gleiche mit ihm. Nie tut mein Kind, was es soll.
Aber hey stopp. Halte inne.
Hör einen Moment lang auf deinem Gedankenkarussell Glauben zu schenken.

Und schaue in die Augen deines Kindes.

Mama? Zwei kleine traurige Knopfaugen blicken dich an, suchen dich. Mama ich hab dich doch lieb. Ich möchte nicht, dass es dir schlecht geht. Es tut mir leid. Ich bin nicht richtig, ich reiche nicht aus. Ich wünschte DU geliebte Mama, hättest nicht so ein furchtbares Kind wie mich. Mama. Ich möchte es unglaublich gern anders, besser machen. Aber Mama, ich kann nicht meine Integrität aufgeben. Mein Nein zu dir, ist das Ja zu mir. Mama. Ich vertraue dir, möchte, dass es dir gut geht und brauche dich. Ich liebe dich aus vollem Herzen. Bitte. Bitte glaub mir.

Denke einen Moment lang an die Geburt deines Kindes zurück.

Ich kam auf die Welt.

Gemeinsam erlebten wir den Prozess der Geburt.

Neun Monate wuchs ich in dir auf, mit dir und in dir begann mein Leben, eng miteinander verwoben.

Du gehst den Weg mit mir, Mama.

Ich blicke in deine Augen und spüre zutiefst deine Nähe in Wärme.
Tief verbunden streichst du mir über den Kopf.
Ich fühle mich angenommen, durch und durch geliebt.

Voller Vertrauen liege ich hilflos in deinen Armen.
DU Mama, wirst mich auf meinem Lebensweg begleiten.
DU Mama, wirst an meiner Seite sein.
Ich vertraue DIR.
Mein Fundament baut auf deiner Liebe.

Glaubst du das denn wirklich?

Kannst du dir vorstellen, dass dein Kind das mit seinem Leben von dir abhängig ist, dich tyrannisieren möchte? Glaubst du wirklich, dass es dir auf der Nase rum tanzen möchte, dass es will, dass du leidest?
Nimm dein inneres verletztes Kind für einen Augenblick in den Arm, halte und wiege es. Du Liebe. Nein. Du wolltest nicht, dass es deiner Mama schlecht geht. Du wolltest, dass deine Mama glücklich ist und du hast dich so weit für sie verbogen, um sie zufrieden zu wissen. Dabei bist du über Grenzen gegangen, die für dich zu weit waren. Hast Schmerz erlitten. Tief in dir. Es ist leichter, heute in den Momenten, in denen du an diesen längst vergangenen Schmerz erinnert wirst, dies weit von dir zu schieben und all das, was du erfahren hast, heute in deinem Kind zu sehen.
Ja. Ich verstehe wie es dazu kommt, fühle mit und erahne deinen Schmerz. Ich sehe dein Leid.

Und dennoch. Heute bist du erwachsen. Hier und Jetzt hältst du den Schlüssel in der Hand dich aus deinem eigenen Kopfgefängnis zu befreien. Es ist schmerzhaft. Es tut weh. Such dir deinen Raum, in dem du sein darfst. Mit all deinen ungeweinten Tränen, mit all jenen über so lange Zeit hinweg unerfüllten Bedürfnissen. Sorg für dich, gib deinem inneren verletzten Kind das was es braucht um zu heilen.

Und dann blicke erneut in die Augen deines Kindes.
Will es das wirklich? Will es dich tyrannisieren? Wirklich? Glaubst du das tief in deinem Herzen?

Geliebte Mama.

Das was dich von deinem Kind trennt, ist nicht dein Kind als solches. Das was dich von deinem Kind trennt ist dein Schmerz, deine Gedanken, deine Urteile. Scheiß auf eine Romantisierung der Mutter – Kind Beziehung. Mama Sein ist nicht immer angenehm, romantisch, schön, perfekt. Mama Sein ist anstrengend, tut weh, ist schmerzhaft. Manches Mal sind da eben diese schrecklich verurteilenden Gedanken. Und dennoch wünsche ich dir aus vollem Herzen eines.

Ich wünsche Dir, dass du deinen Wert erkennst, dass du siehst wie sehr du gebraucht wirst, dass du spürst, was für ein wundervoller Mensch du bist und wie wichtig du bist. Von ganzem Herzen wünsche ich dir, dass du erkennst woher diese Gedanken kommen, dass du siehst, dass sie nicht wahr sein MÜSSEN, dass sie dir womöglich eine Realität vorgaukeln, die nichts mit dem zu tun haben, was tatsächlich IST.
Ich wünsche dir, dass du heilsame Erfahrungen machen darfst und du deinem Herzen folgst. Genau das ist es, was die Welt, so dringend braucht.

In tiefer Verbundenheit
Deine Verena

Written by Verena

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